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Wie setze ich Leichte Sprache ein?

Das Buch zur Leichten Sprache aus dem Duden-Verlag liegt neben einem Headset auf einer Tastatur.

1. Was ist Leichte Sprache überhaupt?

Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen. Dabei bezieht sich «Vereinfachung» auf alle Elemente eines Textes: vom Inhalt über die Wortwahl, den Satzbau bis hin zur Gestaltung. So gilt beispielsweise die Regel, dass jeder Satz auf einer eigenen Zeile steht und dass keine Kommas verwendet werden. Es handelt sich jedoch um grundsätzlich korrektes Deutsch. Mehr Informationen zur Leichten Sprache gibt es hier.

2. Wer liest Leichte Sprache?

Leichte Sprache nützt allen Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Diese kann verschiedene Ursachen haben: eine angeborene Behinderung, eine Krankheit wie Demenz oder einen Unfall. Dabei ist Leichte Sprache immer ein Zusatzangebot und keine Konkurrenz zu den gewöhnlichen Texten in Standardsprache.

3. Gibt es eine gesetzliche Pflicht zur Leichten Sprache?

In Deutschland schreibt das Behindertengleichstellungsgesetz «Trägern öffentlicher Gewalt» vor, Menschen «mit geistigen [und] seelischen Behinderungen» wichtige Dokumente in Leichter Sprache zugänglich zu machen. In der Schweiz sind die gesetzlichen Vorschriften weniger explizit. So heisst es in der Behindertenrechtskonvention der UNO, die hierzulande 2014 in Kraft getreten ist, Menschen mit Behinderungen müssten «gleichberechtigten Zugang» zu «Information und Kommunikation» erhalten. Und die Behindertengleichstellungsverordnung schreibt vor, dass Informationen des Bundes unter anderem für sprachbehinderte Menschen zugänglich sein müssen.

4. Ich möchte meine Texte in Leichter Sprache anbieten. Wann lasse ich sie übertragen?

Ideal ist, wenn Barrierefreiheit und Leichte Sprache bei der Planung einer neuen Website oder einer neuen Broschüre von Anfang an berücksichtigt werden. Es ist aber auch problemlos möglich, nachträglich Texte in Leichte Sprache zu übertragen. Etwa mit einer speziellen Unterseite einer Website, die gut sichtbar auf der Homepage verlinkt wird. Allzu oft werden Inhalte in Leichter Sprache einfach irgendwo «platziert», ohne dass sie dort jemals von den Zielgruppen gefunden werden. Unabhängig vom Zeitpunkt der Umsetzung gilt: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Webmaster und der Agentur für Leichte Sprache ist unabdingbar. Denn diese müssen gemeinsam sicherstellen, dass Text und Gestaltung regelkonform umgesetzt werden.

5. Kann ich meine Texte selbst in Leichte Sprache übertragen?

Das Texten in Leichter Sprache erfordert viel Erfahrung und Kenntnisse der Regeln. Das Kompetenzzentrum leicht·und·einfach hält sich an die Vorgaben der Professorinnen Christiane Maaß und Ursula Bredel von der Universität Hildesheim in Deutschland. Deren Regelwerk ist im Duden-Verlag erschienen. Für Personen aus Unternehmen, Verwaltungen und Organisationen, die mehr über Leichte Sprache erfahren möchten, bietet leicht·und·einfach Workshops an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten einen Einblick in die wichtigsten Regeln. Für die Übertragung umfangreicher Inhalte empfiehlt sich jedoch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Profis für Leichte Sprache.

6. Kann ich meine Texte mit Künstlicher Intelligenz (KI) in Leichte Sprache übertragen?

Nein. Es gibt unter den vielen KI keine einzige, welche die Leichte Sprache beherrscht. Denn eine KI «denkt» nicht in ganzen Texten, sondern in viel kleineren Abschnitten. Das funktioniert bei Übersetzungen zwischen zwei üblichen Sprachen (die sogenannte interlinguale Übersetzung) mittlerweile recht gut – aber eben nicht bei der Übertragung eines Textes aus Standarddeutsch in Leichte Sprache (intralinguale Übersetzung). Die wichtigste Arbeit für die Leichte Sprache, nämlich die für eine Zielgruppe relevanten Aussagen auszuwählen, können nur geübte Menschen ausführen – und keine KI.

Für alle, die sich für die Unterschiede zwischen inter- und intralingualer Übersetzung interessieren:

Interlinguale Übersetzung

Bei einer Übersetzung von einer Sprache (z. B. Englisch) in eine andere (z. B. Deutsch) spricht man von einer «interlingualen Übersetzung». KI sind darin recht gut und werden immer besser, vor allem bei häufig vorkommenden Sprachen. Denn es sind unzählige hochwertige Übersetzungen im Internet zu finden. Zudem entspricht eine Aussage in der einen Sprache der Aussage in der anderen.

Intralinguale Übertragung

Mit «intralingualer Übertragung» ist die Erstellung eines Zieltextes in der gleichen Sprache wie der Ausgangstext gemeint – also etwa von der deutschen Standardsprache in die Leichte Sprache. Bei dieser Aufgabe sind die Ausgaben einer KI nutzlos. Denn sie kann auf ein viel zu kleines bestehendes Textangebot in Leichter Sprache zurückgreifen, das zudem leider häufig von zweifelhafter Qualität ist. Vor allem aber ist kein sogenanntes Alignment zwischen Ausgangs- und Zieltext möglich, da sich diese in Inhalt, Aufbau und Wortschatz stark unterscheiden. Sprich: Ein Leichte-Sprache-Text ist nie eine Eins-zu-eins-Übersetzung des Textes in Standardsprache. Da eine KI einen Inhalt nicht wie ein Mensch «versteht», scheitert sie an der Aufgabe, diesen in die Leichte Sprache zu übertragen.

7. Was kostet mich die Übertragung eines Textes in Leichte Sprache?

Das hängt vom Umfang und der Art der Ausgangstexte ab. Gerne unterbreitet Ihnen das Kompetenzzentrum leicht·und·einfach ein attraktives, massgeschneidertes Angebot für Ihre Bedürfnisse.

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